Zuletzt geprüft: 2. November 2026. Die Zahlen können sich ändern, wenn Binance seinen technischen Bericht veröffentlicht.
Der Binance-Hack vom 29. Oktober 2026 ist der größte bisher erfasste Kryptodiebstahl: Die Börse selbst beziffert den Schaden auf rund 6,3 Milliarden US-Dollar, mehr als das Vierfache dessen, was 2025 bei Bybit gestohlen wurde. Wer ein Guthaben bei Binance hatte, fragt sich zuerst, ob er Geld verloren hat. Eine andere Frage betrifft aber weit mehr Menschen, ob mit oder ohne Konto bei Binance: Was passiert, wenn Kryptowerte, die über die Adressen des Angreifers gelaufen sind, in Ihrer Wallet landen?
Was ist bei Binance passiert?
Laut TRM Labs begannen die Gelder am Donnerstag, dem 29. Oktober, gegen 21:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit die Hot Wallets von Binance zu verlassen (die mit dem Internet verbundenen Wallets, über die die Börse Auszahlungen abwickelt), und zwar auf zehn verschiedenen Blockchains; der Großteil dauerte etwa 20 Minuten. In seiner Mitteilung vom 30. Oktober erklärte Binance, die ersten Ermittlungen deuteten darauf hin, dass der Laptop eines DevOps-Ingenieurs kompromittiert wurde. So habe der Angreifer Zugang zu einem Service-Container erhalten und nicht autorisierte Auszahlungen veranlasst. Hinweise auf ein Leck privater Schlüssel gebe es nicht; ein technischer Bericht (Post-Mortem) folge nach Abschluss der Untersuchung. Am 2. November lag er noch nicht vor.
Co-CEO Richard Teng ergänzte später, die Untersuchung habe weitere Einfallstore aufgedeckt. Laut Chainalysis finanzierte der Angreifer eine seiner Wallets über den Mixer Tornado Cash.
Binance setzte Auszahlungen vorsorglich aus, Einzahlungen liefen weiter. Am 1. November begann die Börse ab 7:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit, Auszahlungen schrittweise wieder freizugeben, zuerst für Bitcoin, Ether und die wichtigsten Stablecoins. Zwischen 7:00 und 16:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit an diesem Tag wurden laut Binance rund 4,65 Milliarden US-Dollar ausgezahlt und 1,01 Milliarden eingezahlt, ein Nettoabfluss von etwa 3,64 Milliarden (2,1 % der verwahrten Vermögenswerte).
Die Zahlen: Was belegt und was geschätzt ist
Alle Beträge sind Schätzungen in US-Dollar, und jede Quelle zählt anders. Man sollte sie daher weder addieren noch als endgültig betrachten.
| Quelle | Gestohlener Betrag (Schätzung) | Eingefrorener Betrag |
|---|---|---|
| Binance (30. Oktober) | Rund 6,3 Milliarden US-Dollar | Rund 3 Milliarden |
| TRM Labs (30. Oktober) | Rund 6,36 Milliarden | Rund 2,7 Milliarden |
| Chainalysis | Rund 6,4 Milliarden | Rund 2,8 Milliarden |
| Elliptic (1. November) | Rund 6,43 Milliarden | Rund 2,85 Milliarden, davon 94 % Stablecoins |
Am 31. Oktober schrieb das FBI den Diebstahl offiziell Nordkorea zu, genauer der Aktivität, die es TraderTraitor nennt – einer mit Lazarus verbundenen Gruppe, der das FBI auch den Bybit-Diebstahl zugeordnet hatte. TRM Labs und Chainalysis waren bereits zum selben Schluss gekommen: Chainalysis beobachtete, wie sich Binance-Gelder in Echtzeit mit Geldern aus dem Bitget-Diebstahl vom September vermischten.
Binance erklärt, alle Verluste über seinen Notfallfonds SAFU und eigene Mittel zu tragen, die Guthaben der Nutzer seien nicht betroffen, und bis zum 1. November seien rund 95 % der gestohlenen Vermögenswerte ersetzt worden. Die restlichen 5 % seien weniger liquide Token, die noch am Markt gekauft würden.
Was bedeutet es, wenn Tether und Circle Gelder „einfrieren“?
Stablecoins wie USDT oder USDC haben einen zentralen Emittenten, der Adressen sperren kann. Nach dem Angriff bestätigte Tether-CEO Paolo Ardoino das Einfrieren von mehr als 1,567 Milliarden USDT. Circle teilte CNBC am 2. November mit, in Abstimmung mit den Strafverfolgungsbehörden mehr als 1,1 Milliarden US-Dollar in USDC eingefroren zu haben. Auch Ripple, World Liberty Financial (Emittent von USD1) und der Security Council von Arbitrum sperrten Gelder.
Zwei wichtige Einschränkungen:
- Einfrieren ist nicht Zurückgeben. Die Token sind blockiert, aber ihre Rückgabe setzt voraus, dass Eigentum und Rechtsgrundlage festgestellt werden, wie mehrere Juristen gegenüber CoinDesk betonten.
- Bitcoin und Ether lassen sich im Netzwerk nicht einfrieren. Laut Elliptic liegen rund 3,25 Milliarden US-Dollar der Beute, darunter 18.327 BTC, in Vermögenswerten, die kein Emittent sperren kann.
Das eigentliche Risiko für Sie: „kontaminierte“ Gelder erhalten
Mit dem Angriff endet der Diebstahl nicht. Die Gelder werden gewaschen, indem sie über Tausende Adressen, Cross-Chain-Bridges und Sofort-Tauschdienste bewegt werden. Das FBI veröffentlichte eine Liste mit 608 Ethereum-, 19 Bitcoin- und einer Solana-Adresse und forderte Börsen, DeFi-Dienste, Analysefirmen und andere Anbieter auf, Transaktionen mit diesen Adressen oder daraus abgeleitete Transaktionen zu blockieren. Chainalysis-CEO Jonathan Levin erwartet, dass die Zahl der genutzten Adressen in den kommenden Wochen auf „Zehntausende“ steigt.
Das hat praktische Folgen. Kryptobörsen und viele Banken nutzen Analysewerkzeuge, die jeder Adresse ein Risikoniveau zuweisen, je nach direkter oder indirekter Verbindung zu illegalen Aktivitäten. Erhalten Sie Kryptowerte, die einige Schritte zuvor von einer mit dem Hack verbundenen Adresse stammten, kann Ihr Anbieter:
- die Einzahlung zurückhalten oder ablehnen;
- Nachweise über die Herkunft dieser Mittel verlangen;
- in schweren Fällen Ihr Konto einschränken oder kündigen.
Dafür müssen Sie nichts falsch gemacht haben. Das Risiko ist höher bei Geschäften zwischen Privatpersonen (P2P), bei Käufen von Unbekannten unter Marktkurs und bei Tauschdiensten ohne Identitätsprüfung, denn das sind die Kanäle, die Geldwäscher gestohlener Gelder häufig nutzen. Jedes Institut wendet eigene Kriterien und Schwellenwerte an.
Warum Belege jetzt noch wichtiger sind
Bei einer Risikowarnung schützt Sie am besten, wenn Sie die Herkunft Ihrer Kryptowerte nachvollziehen können: Die Geldwäschevorschriften verpflichten Börsen und Banken, die Mittelherkunft ihrer Kunden zu kennen. Bewahren Sie auf:
- Kontoauszüge und Transaktionshistorie jeder Börse, mit Datum, Betrag und Gebühren. Laden Sie sie jetzt herunter.
- Die Transaktions-IDs (TxID) der Überweisungen zwischen Ihren Konten und Ihren eigenen Wallets.
- Den Nachweis des ursprünglichen Geldes: Banküberweisungen, Gehaltsabrechnungen, Rechnungen, Verträge oder den Verkauf anderer Vermögenswerte.
- Eine Analyse Ihrer Adressen, bevor Sie größere Beträge an eine Börse oder Bank übertragen.
In unserem Leitfaden zum Nachweis der Mittelherkunft von Kryptowerten gegenüber der Bank finden Sie eine ausführlichere Liste von Unterlagen.
Was ändert ein nach MiCA zugelassener Anbieter?
Laut dem vorläufigen Register der ESMA, abgerufen am 2. November 2026 (letzte Aktualisierung am 29. Oktober), ist Binance nicht unter den in der Europäischen Union nach der MiCA-Verordnung zugelassenen Anbietern von Kryptowerte-Dienstleistungen aufgeführt. Ein zugelassener Anbieter ist nicht vor Hacks gefeit, aber MiCA legt ihm Pflichten auf, die Kunden schützen:
- die Kryptowerte der Kunden von den eigenen getrennt zu halten, auch rechtlich, damit seine Gläubiger nicht darauf zugreifen können (Artikel 75 Absatz 7);
- gegenüber Kunden für den Verlust ihrer Kryptowerte infolge eines ihm zuzurechnenden Vorfalls zu haften, begrenzt auf den Marktwert des Vermögenswerts zum Zeitpunkt des Verlusts (Artikel 75 Absatz 8);
- Beschwerdeverfahren vorzuhalten und von einer nationalen Behörde beaufsichtigt zu werden, in Deutschland von der BaFin.
Der Unterschied ist erheblich: Bei Binance hängt die Deckung von einer Unternehmensentscheidung ab, bei einem zugelassenen Anbieter besteht eine gesetzliche Pflicht, die vor einer Aufsichtsbehörde durchsetzbar ist. Ob Ihre Plattform zugelassen ist, können Sie mit unserem Leitfaden zu MiCA und zugelassenen Kryptobörsen prüfen.
Praktische Schritte in Europa und Lateinamerika
Binance hat laut BBC viele Nutzer in Ländern wie Argentinien oder Venezuela. Diese Schritte gelten auf beiden Seiten des Atlantiks:
- Wenn Sie ein Guthaben bei Binance haben, folgen Sie nur offiziellen Kanälen. Nach einem Hack häufen sich gefälschte Nachrichten, die versprechen, „Gelder zurückzuholen“, oder nach Ihren Schlüsseln fragen. Niemand Seriöses wird Ihre Seed-Phrase verlangen.
- Bevor Sie eine Kryptozahlung von Unbekannten annehmen, prüfen Sie die Absenderadresse. Seien Sie bei Angeboten unter Marktkurs misstrauisch.
- Bei P2P-Geschäften bewahren Sie die Identität der Gegenpartei, die Kommunikation und den Bankbeleg auf.
- Versuchen Sie nicht, zweifelhafte Gelder zu „waschen“, etwa mit Mixern oder Tauschketten. Das erhöht das Risiko und kann als Hinweis auf Geldwäsche gewertet werden.
- Wenn eine Börse oder Bank Informationen verlangt, antworten Sie mit chronologisch geordneten Unterlagen. Fragen Sie, welche Transaktion die Warnung ausgelöst hat.
- Wenn Sie Opfer eines Betrugs im Zusammenhang mit dem Hack geworden sind, erstatten Sie Anzeige bei der Polizei Ihres Landes und sichern Sie alle Beweise.
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Quellen
- Binance: Update zum Sicherheitsvorfall (30.10.2026, auf Englisch)
- FBI: Zuordnung zu Nordkorea und Adressliste (31.10.2026, auf Englisch)
- Chainalysis: Analyse des Diebstahls (auf Englisch)
- RTVE: Zahlen von Binance und TRM Labs (30.10.2026, auf Spanisch)
- BBC Mundo: Auswirkungen in Lateinamerika (auf Spanisch)
- CNBC: Wiederaufnahme der Auszahlungen und eingefrorene USDC (2.11.2026, auf Englisch)
- CoinDesk: eingefrorene Stablecoins (auf Englisch)
- The Block: Geldwäsche und Zahlen von Elliptic (1.11.2026, auf Englisch)
- ESMA: vorläufiges MiCA-Register und Artikel 75 der Verordnung (EU) 2023/1114 (auf Englisch)
Dieser Inhalt dient nur der Information und stellt keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung dar. Er fasst öffentliche Informationen über einen Vorfall zusammen, der noch untersucht wird; die Zahlen können sich ändern. Lassen Sie Ihren Fall von einer Fachperson prüfen.
